Deutsche Klebstoffindustrie: Aussichten für 2022 eingetrübt




Deutsche Klebstoffindustrie: Aussichten für 2022 eingetrübt














Dr. Vera Haye ist seit Januar 2021 neue Hauptgeschäftsführerin des Industrieverbands Klebstoffe e. V. Photo: IVK



Die deutsche Klebstoffindustrie hat das Geschäftsjahr 2021 in einem anhaltend herausfordernden Marktumfeld mit einer Umsatzsteigerung von 13% abgeschlossen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Industrieverband Klebstoffe e.V. (IVK) trotz anhaltenden Umsatzwachstums erhebliche Herausforderungen für die überwiegend mittelständisch geprägte deutsche Klebstoffindustrie als Folge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der Effekte der damit einhergehenden Energiekrise.


„Die deutsche Klebstoffindustrie konnte im Jahr 2021 trotz erhöhter Unsicherheit durch wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen den Umsatz um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern," so Dr. Boris Tasche, Vorstandsvorsitzender des Industrieverbands Klebstoffe e.V. (IVK). „In nahezu allen Schlüsselmarktsegmenten waren die Entwicklungen mehr als zufriedenstellend – sowohl im Inland als auch international", so Dr. Tasche weiter. „Unsere Branche hat 2021 von Aufholeffekten nach dem Coronajahr 2020 profitiert."


Klebstoffproduktion 2021 in Zahlen


Trotz schlechter Rohstoffverfügbarkeiten hat die deutsche Klebstoffindustrie mit einer produzierten Menge von rund 1 Millionen Tonnen Klebstoffen im Jahr 2021 die Vorjahresproduktion um knapp 5 Prozent übertroffen. Besonders in den Produktgruppen Klebebänder, Dichtstoffe sowie Klebstoffe konnten deutliche Umsatzsteigerungen erzielt werden.


Allein mit Klebstoffen konnte die deutsche Klebstoffindustrie 2021 einen Umsatz von 2 Milliarden Euro erzielen. Zusammen mit Dichtstoffen, zementären Bauklebstoffen und Klebebändern beläuft sich der Umsatz auf deutlich über 4 Milliarden Euro.


In Deutschland sind 17.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Klebstoffindustrie tätig; weltweit sind es ca. 51.600. Rund 70 Prozent der Mitgliedsunternehmen des Industrieverbands Klebstoffe sind KMU mit weniger als 500 Beschäftigten.


Wichtige Schlüsselmärkte 2021


Die Bereiche Metall und Metallprodukte (+ 7,8 Prozent), Maschinen und Anlagen (+ 8,7 Prozent) sowie Elektronische, Elektrische und Optische Anlagen (+ 10,3 Prozent) zählten 2021 zu den wichtigsten Absatzmärkten für Klebstoffe. Ebenfalls gut entwickelten sich die Bereiche Chemie (+ 5,5 Prozent) und Papier (inkl. Druck) (+ 4,1 Prozent).


Klebstoffsegment Bauhauptgewerbe


Im Segment Bauhauptgewerbe war 2021 erstmalig seit vielen Jahren ein Umsatz-Rückgang von 0,6 Prozent zu verzeichnen. Trotz positiver Prognosen haben Materialmangel und Lieferengpässe der Bauwirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2021 zu schaffen gemacht. Die Materialknappheit bei Stahl und Holz sorgte vielerorts für die Verzögerungen bei den Bauvorhaben. Ebenso waren die Auswirkungen der Coronapandemie weiterhin spürbar.


Prognose für 2022


Nach einem starken ersten Halbjahr wird für den weiteren Verlauf des Wirtschaftsjahres eine Abschwächung der konjunkturellen Entwicklung mit entsprechenden Einflüssen auf die Produktionsmengen erwartet. Viele Unternehmen der deutschen Klebstoffindustrie gehen davon aus, dass das weiterhin prognostizierte Umsatzwachstum nicht die erheblich gestiegenen Kosten für Material, Energie und Personal kompensieren wird. Die aufgrund der Energiekrise bestehenden Probleme bei der Rohstoffversorgung haben einen starken Einfluss auf vorgelagerte Herstellprozesse, was zu einer Verschärfung der Verfügbarkeiten insbesondere von Spezialitäten und Kleinmengen führen dürfte. „Unsere Mitgliedsunternehmen – insbesondere die kleinen und mittelständischen – stehen vor dramatischen Herausforderungen der Konsequenzen einer Energiekrise, wie wir sie noch nie erlebt haben ", erklärte Dr. Vera Haye, Hauptgeschäftsführerin des IVK. „Die Politik ist nun gefordert schnell zu handeln, Produktionen und Lieferketten zu stabilisieren und KMU gezielt zu unterstützen."




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