Matratzen-Industrie: Belastung durch erneute Preissprünge
Matratzen-Industrie: Belastung durch erneute Preissprünge

Wuppertal. Die deutsche Matratzen-Industrie steht unter dramatischem Kostendruck: Wie der Fachverband der Matratzenindustrie mitteilt, steigen die Preise für PU-Schaumstoffe in diesem Monat erneut deutlich – in ähnlicher Größenordnung wie schon im März und April. Die Preiswelle habe sich binnen weniger Wochen zugespitzt und entfalte damit eine Dynamik, die viele Unternehmen zuletzt in der Pandemiezeit erlebt haben – damals jedoch verteilt über einen deutlich längeren Zeitraum. Für Hersteller bedeuten die aktuellen Entwicklungen drastische Mehrkosten von bis zu 25 %, so der Verband. Gleichzeitig sei der Spielraum zur Kompensation über die Marge stark begrenzt, weil die Materialkosten den größten Anteil der Herstellungskosten ausmachen. Nach Rückmeldungen aus der Branche geraten insbesondere kleine und mittelständische Hersteller dadurch in eine kritische Lage – einzelne Unternehmen sehen bereits ihre wirtschaftliche Existenz bedroht, weil Geschwindigkeit und Höhe der Kostensteigerungen betriebswirtschaftlich kaum noch abgefedert werden können.
Martin Auerbach, Geschäftsführer Fachverband Matratzen Industrie, beobachtet branchenweit eine massive Kostenwelle in sehr kurzer Zeit, während der Handel die Weitergabe häufig nur eingeschränkt akzeptiere. „Diese Kombination setzt insbesondere den Mittelstand massiv unter Druck und gefährdet neben Arbeitsplätzen auch Investitionen in Qualität“, so Auerbach. Sein Appell: „Wir brauchen mehr Transparenz entlang der Lieferkette, realistische Preis- und Vertragsmechanismen – übrigens auch in der öffentlichen Beschaffung – sowie eine sachliche Debatte über Kosten, Qualität und Verbraucherschutz. Andernfalls wird auch dieser Industrie-Zweig auf kurz oder lang ins Ausland abwandern.“
Aktueller Treiber scheint laut Matratzenverband weniger eine tatsächliche Rohstoffknappheit zu sein, sondern eine Kombination aus hoher internationaler Nachfrage, temporären Störungen in US-amerikanischen und asiatischen Lieferketten sowie Zeitverzögerungen beim Transport über die Seewege. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern seien Polyole, Isocyanate und weitere Vorprodukte grundsätzlich verfügbar und nur zeitweise eingeschränkt lieferbar. Zusätzlich belasteten indes steigende Preise bei weiteren rohölbasierten Materialien – etwa Verpackungsfolien und textilen Komponenten – die gesamte Wertschöpfung.
Die Matratzenhersteller, so der Verband, befänden sich dabei in einer besonders ungünstigen „Sandwich-Position“: Auf der einen Seite stünden die steigenden Preise der Zulieferindustrie, auf der anderen Seite ein Handel, der in vielen Segmenten über eine starke Verhandlungsposition verfüge und der Weitergabe der Kostensteigerungen nur sehr eingeschränkt zustimme oder sie teilweise gänzlich verweigere. So könnten Hersteller mitunter nicht einmal die Hälfte ihrer Mehrkosten kompensieren. Besonders enttäuschend sei das Verhalten öffentlicher Auftraggeber, die ohne Scham von „normalen wirtschaftlichen Risiken“ sprächen. Erschwert werde die Situation zudem durch Lieferzeiten Richtung Handel von rund sechs Wochen: Selbst, wenn Preisanpassungen ausgehandelt werden könnten, kämen sie beim Hersteller zeitverzögert an.
Angesichts der üblichen saisonalen Nachfrageschwäche bei Matratzen in den Sommermonaten, dem insgesamt gedämpften Konsumverhalten und der weiterhin angespannten Beschaffungslage rechnet die Branche kurzfristig nicht mit einer spürbaren Entspannung. Zudem betreffe der Kostendruck nicht nur den PU-Schaum: Auch Federkernmatratzen verzeichnen Preisanstiege, u. a. durch höhere Stahlkosten, aber auch hier spielten die Preissteigerungen bei rohölbasierten Komponenten eine Rolle, z.B. beim Vlies für die Federtaschen, so der Verband.
