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Leitz: Ein Quantensprung für Produktivität, Qualität und Nachhaltigkeit




Leitz: Ein Quantensprung für Produktivität, Qualität und Nachhaltigkeit














Stefan Richter (Leitz, Key-Account Manager Möbelindustrie), Jan Schleier (Leitz, Branchenmanager Möbel), Guido Bensch (Nobilia, Leiter Industrial Engineering Werk 1 und 3) und Lars Eberlei (Nobilia, Industrial Engineering). Fotos: Schwarze



Der Küchenriese Nobilia profitiert bei seinen Anlagen von einer engen Kooperation mit Werkzeughersteller Leitz | Neue Konzepte


Wer mehr als 100.000 Korpusteile und 30.000 Möbelfronten täglich produzieren will, für den kommt es vor allem auf zwei Dinge an: Top-Qualität und Prozesssicherheit! Denn diese Mengen lassen sich nur handhaben, wenn es wenig Ausschuss, kurze Maschinenstandzeiten und eine gleichbleibende Produktqualität gibt. In den vergangenen Jahren hat Nobilia, Branchenprimus in der Küchenbranche, deswegen gemeinsam mit den Werkzeugspezialisten von Leitz ein Konzept entwickelt, das nicht nur die Standzeiten der Anlagen und den Ausschuss reduziert, sondern gleichzeitig die Produktqualität verbessert. Was 2019 als innovatives Konzept für die Planung des neuen Nobilia-Standortes in Saarlouis begann, zieht sich inzwischen durch viele Nobilia-Anlagen. Neben dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind es vor allem die optimal auf den jeweiligen Anwendungszweck abgestimmten Leitz-Werkzeuge, die das möglich machen.


Die AOI-Systeme sind unbestechlich


Herzstück der Technologie ist eine Automatische Optische Inspektion (AOI) nach dem Fräs- und Bekantungsvorgang. „Die Algorithmen, die die Kamerabilder auswerten, sind absolut unbestechlich und erkennen auch kleinste Abweichungen beim Fräsbild an der Kante, erkennt dadurch sofort, wenn sich Werkzeuge abnutzen. So kann rechtzeitig nachgestellt oder das Werkzeug ausgewechselt werden“, so Guido Bensch, Leiter des Industrial Engineering in den Nobilia-Werken 1 und 3. Dadurch bleibt die Qualität der fertigen Teile immer gleich hoch, und es werden weniger Ausschussteile produziert. Das reduziert nicht nur die Standzeiten der Maschinen, sondern steigert auch die Produktqualität über die gesamte Menge gesehen. „Die AOI-Systeme haben hier quasi das Bauchgefühl abgelöst“, so Bensch.


Mehr als nur ein Werkzeug


Doch das AOI ist nicht der einzige entscheidende Faktor, die Werkzeuge müssen perfekt auf den jeweiligen Einsatz abgestimmt sein. Die Plattendicke, der Plattenlieferant und nicht zuletzt der Recyclinganteil im Plattenmaterial gehören zu den Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. „Der Kunde kauft hier letztlich nicht einfach ein Werkzeug, sondern entwickelt mit uns gemeinsam ein komplettes Füge-Konzept“, so Jan Schleier, der bei Leitz für das Branchenmangement in der Möbelindustrie verantwortlich ist. Erste Gespräche über die Ausrüstung des neuen Nobilia-Standortes in Saarlouis führte man bereits, lange bevor dort der erste Spatenstich erfolgt war. „Bevor wir ein komplettes neues Werk mit solch einem auch für uns neuen Werkzeugsystem ausrüsten, wollten wir es natürlich testen. Deswegen haben wir gemeinsam mit Leitz bereits 2019 die erste Anlage in Verl umgerüstet“, so Lars Eberlei vom Industrial Engineering bei Nobilia. Das Konzept sowie die enge Zusammenarbeit mit Leitz überzeugten, es wurden nicht nur die Verträge für eine Ausstattung des Werkes in Saarlouis mit dem System unterzeichnet, sondern inzwischen sind auch mehrere Anlagen in der Korpus- und Frontenfertigung im Stammwerk in Verl damit ausgerüstet.


Die Mitarbeiter mitnehmen


„Es war auch ein Prozess, hier alle Mitarbeiter bei uns mitzunehmen, wie eigentlich immer bei nachhaltigen Veränderungen in bestehenden Systemen “, denken Bensch und Eberlei an die Einführungsphase zurück. Gerade gegen den Einsatz von KI-unterstützten Systemen gebe es ja oft noch Skepsis. Doch die Ergebnisse sprachen für sich selbst, die Auswertungen sind nicht manipulierbar und haben deutlich gemacht, wie sehr sich die Qualität verbessert hat und die Ausschußzahlen reduziert werden konnten. Inzwischen kann man bei Nobilia an der Art und Form eines Ausbruchs einer Kante erkennen, ob es ein Plattenfehler war, ein Problem an der Säge oder beim Fräsen. Dass die AOI-Systeme hierfür lange und intensiv trainiert werden mussten, gehört aber ebenfalls zur Wahrheit – auch hier gilt eben das Sprichwort „Von nichts kommt nichts.“


Denn das Know-how hierfür hat Nobilia im eigenen Hause aufgebaut. Sowohl in der Fronten- als auch der Korpusfertigung zeigen sich die Vorteile der Technik. Denn während im Korpus-Bereich hauptsächlich Teile mit der gleichen Melamin-Oberfläche gefahren werden, gibt es in der Frontenfertigung die unterschiedlichsten Materialien und Oberflächen und viele dieser Materialien belasten die Schneiden der Werkzeuge stark. Bei den von Nobilia eingesetzten Leitz-Werkzeugen lassen sich die mehrteiligen Werkzeuge nachstellen, indem sie zueinander verdreht werden. Der abgenutzte Bereich wandert in Richtung Plattenmitte, der frische, unverbrauchte Schneidbereich kommt wiederum im entscheidenden Dekorbereich zum Einsatz. „Das steigert die Langlebigkeit des Werkzeuges und verbessert die Qualität der Schnittkanten an der Platte über die komplette Lebensdauer des Fügefräsers hinweg“, erklärt Jan Schleier. Und Guido Bensch ergänzt: „Weil solch eine Werkzeug-Nachstellung auch schneller geht als ein kompletter Werkzeugkopfwechsel, reduzieren sich zusätzlich eben auch die Standzeiten der Maschinen.“


Neue Technik für moderne Zeiten


Nobilia und Leitz haben bei den Testläufen immer wieder Parameter verändert und an Stellschrauben gedreht. Neue Versionen der Fräsköpfe mussten immer wieder über die komplette Lebenszeit eines solchen Werkzeuges getestet werden, bevor neuerliche Veränderungen vorgenommen werden konnten. Ein Prozess, der Jahre dauerte. Doch die Mühe hat sich gelohnt, davon sind sowohl die Verantwortlichen bei Nobilia als auch bei Leitz überzeugt. „Die Rahmenbedingungen, um immer gleichbleibend gute Ergebnisse zu erzielen, werden schwieriger, viele Erfahrungen von früher zählen heute nicht mehr. Durch den – grundsätzlich sinnvollen – immer weiter steigenden Anteil an Rezyklaten im Plattenmaterial steigt auch der Anteil an Fremdstoffen innerhalb der Platte und damit die Anforderungen an die Werkzeuge“, so Guido Bensch. Gut möglich, dass deswegen auch in der Zukunft immer wieder Finetuning an dem System nötig sein wird. Die Zusammenarbeit beider Unternehmen wird eng bleiben – und Stefan Richter auch in Zukunft allwöchentlich zu Manöverkritik und Zukunftsplanungen in Verl vor Ort sein.



Die Qualität der Kante, die Guido Bensch (r.) und Lars Eberlei hier in Augenschein nehmen, ist entscheidend und wird bei Nobilia inzwischen mit Hilfe von Algorithmen durch AOI-Systeme geprüft.


 



Die Fräsköpfe von Leitz werden dank der engen Zusammenarbeit jeweils exakt auf die Anforderungen des Plattenmaterials abgestimmt, das in der jeweiligen Anlage verarbeitet wird.


 



Die enge Zusammenarbeit von Nobilia und Leitz zahlt sich sowohl in der Korpus- als auch in der Frontenfertigung aus.




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